Klimawandel, Klimakrise, Klimarettung

Der Wettlauf gegen die Erderwärmung.

Das Weltklima verändert sich zurzeit im Eiltempo. Ein deutliches Zeichen dafür ist die rasant steigende Hauttemperatur der Erde.

Nach Angaben der Weltorganisation für Meteorologie hat sich die mittlere Temperatur auf der Erdoberfläche seit der frühindustriellen Zeit um 1850-1900 bis heute um 1,2 Grad Celsius erhöht. Die Hälfte dieses Temperaturanstiegs fand allerdings erst in jüngster Vergangenheit statt; seit Mitte der 1990er-Jahre ist es weltweit um 0,6 Grad wärmer geworden.

Damit hat sich das Weltklima in den letzten 25 Jahren ebenso stark erwärmt wie in den über 100 Jahren davor. Aus globaler Perspektive betrachtet, ist der Klimawandel ab den 1990er-Jahren quasi sämtlichen Klimaschutzanstrengungen davongelaufen.

Während der letzten drei Jahrzehnte nahmen auch die Treibhausgasemissionen kräftig zu. Der weltweite CO2-Ausstoß aus der Verbrennung von Kohle, Öl und Gas erhöhte sich von 22,6 Milliarden Tonnen im Jahr 1990 auf 33,9 Milliarden Tonnen in 2020.

Kohlenstoffdioxid – in hoher Dosis ein Klimagift

Die steigende Konzentration des langlebigen Spurengases CO2 in der Erdatmosphäre gilt als Haupttreiber der Erderwärmung. Menge und Wachstum sämtlicher seit Mitte des 19. Jahrhunderts vom Menschen verursachten CO2-Treibhausgase spiegeln sich erstaunlich genau in der Zunahme des CO2-Gehalts der Atmosphäre wider.

Der CO2-Anteil von 285 ppm (parts per million) um 1850 stieg zunächst viele Jahrzehnte lang ganz langsam und schließlich immer flotter auf 353 ppm im Jahr 1990. Das bedeutet eine Zunahme von 68 ppm in 140 Jahren.

Nach 1990 nahm der CO2-Anstieg dann richtig Tempo auf und erreichte 415 ppm zu Beginn 2021 – ein Plus von 62 ppm. Der CO2-Anteil in der Erdatmosphäre hat damit in den letzten 30 Jahren ähnlich stark zugenommen wie im Zeitraum von 1850 bis 1990.

Zum beschleunigten Anstieg der CO2-Konzentration seit 1990 passt, dass laut der Webseite climatewatchdata.org die Hälfte aller CO2-Treibhausgase erst nach 1990 in die Atmosphäre befördert wurde. Damit ist heute jedes zweite CO2-Molekül in der Erdatmosphäre, das aus Verbrennungsprozessen fossiler Energieträger stammt, nicht älter als höchstens 30 Jahre.

Der von Jahr zu Jahr stärker spürbare Klimawandel ist deshalb weniger das Ergebnis einer langen historischen Entwicklung seit Beginn der Industrialisierung, sondern er basiert hauptsächlich auf den globalen CO2-Emissionen der letzten drei Jahrzehnte.

Vom Klimawandel zur Klimakrise

Die Celsius- und CO2-Zahlen seit 1990 zeigen: Innerhalb der Zeitspannne von nur einer Generation hat die Menschheit das seit über 10 000 Jahren weitgehend stabile Klimasystem der Erde mehr oder weniger ins Wanken gebracht. Der vom Menschen verursachte Klimawandel hat sich dabei zu einer gefährlichen Klimakrise entwickelt.

Wenn der globale CO2-Ausstoß und die übrigen Treibhausgasemissionen im laufenden Jahrzehnt nicht drastisch zurückgehen, dann könnten – warnen Klimawissenschaftler*innen – schon in den nächsten Jahrzehnten wichtige Teilelemente des Weltklimasystems umkippen. Als Folge könnte die Erderwärmung unkontrollierbar werden.

Eines von über einem Dutzend sogenannter Kippelemente im globalen Klimasystem sind die Permafrostgebiete auf der Nordhalbkugel. Diese Dauerfrostzonen machen 20 bis 25 Prozent der Landflächen der Erde aus.

Seit einigen Jahren ist in manchen Regionen Sibiriens ein spektakuläres Auftauen der Dauerfrostböden zu beobachten. In Jakutien sind im immer längeren arktischen Sommer riesige, bis zu 50 Meter tiefe Krater entstanden. Darin zersetzt sich seit Urzeiten im Boden gespeicherter Kohlenstoff und gelangt als CO2 und Methan in die Atmosphäre. Dies wiederum verstärkt die Erderwärmung, was den Auftauprozess der Böden weiter beschleunigt und irgendwann irreversibel machen kann.

Wie lässt sich das Klima retten?

2015 wurde euphorisch das Pariser Klimaabkommen zur Begrenzung der Erderwärmung beschlossen. Bereits im darauffolgenden Jahr trat es in Kraft.

Bis heute ist die Bilanz des Abkommens ernüchternd. 2017 bis 2019 nahm der weltweite Ausstoß des Treibhausgases Kohlenstoffdioxid weiter zu, zeitweilig sogar im Rekordtempo. Die mit dem Abkommen vereinbarte Reduktion der globalen Treibhausgase blieb aus. Sie aber ist gleichermaßen das Patentrezept zur Lösung der Klimakrise.

Um die Erderwärmung in diesem Jahrhundert auf höchstens 1,5 Grad Celsius – dem optimalen Ziel des Pariser Klimavertrags – zu begrenzen, müssten die weltweiten CO2-Emissionen in diesem Jahrzehnt jedes Jahr um 7,6 Prozent zurückgehen. Das haben im Jahr 2019 Klimawissenschaftler*innen der Vereinten Nationen ermittelt.

Diese Einsparquote ist vergangenes Jahr selbst angesichts der Corona-Pandemie nicht erreicht worden. Nach Berechnungen der Internationalen Energieagentur (IEA) sind die weltweiten CO2-Emissionen aus der Energienutzung 2020 nur um 5,8 Prozent gesunken.

Im Dezember 2020 lag der weltweite CO2-Ausstoß bereits wieder auf Vorjahresniveau, genau genommen sogar leicht darüber. Eine erneute CO2-Reduzierung in diesem Jahr ist damit in weite Ferne gerückt, und der laut UN zur Klimarettung erforderliche Rückgang der CO2-Emissionen um 50 Prozent bis 2030 aktuell nicht in Sicht.

Ab den 2030er-Jahren müssten darüber hinaus Methoden zur wirksamen Entfernung von CO2 aus der Atmosphäre zur Anwendung kommen, und zudem die Welt bis 2050 vollständig klimaneutral werden. Dann würde sich die Erderwärmung – so die UN-Klimawissenschaftler*innen – in diesem Jahrhundert bei 1,5 Grad Celsius oder wenig mehr stabilisieren.

Dieses Ziel ist mit den derzeitigen internationalen Verpflichtungen zum Klimaschutz nicht zu erreichen. Bleibt es bei den im Pariser Klimaabkommen vereinbarten Reduktionsmengen an Treibhausgasen, kommt es nach Berechnungen des UN-Klimaprogramms bis Ende dieses Jahrhunderts zu einem Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur um etwa drei Grad Celsius.

Erstmals ein einzelnes Jahr mit einer globalen Durchschnittstemperatur, die um 1,5 Grad Celsius höher ist als zu Beginn des Industriezeitalters, könnte es laut UN schon im Laufe dieses Jahrzehnts geben.

Die Erderwärmung ist zunehmend spürbar

Einzelne Extremwetterereignisse und Temperaturrekorde lassen zwar keinen eindeutigen Rückschluss auf die Erderwärmung als Ursache zu. Aber ihre Häufung in den vergangenen Jahren macht diesen Zusammenhang immer wahrscheinlicher. Da genügt ein Blick auf die letzte Zeit:

  • Im September 2020 verzeichneten die amerikanischen Westküstenstaaten Kalifornien und Oregon die schwersten Waldbrände ihrer Geschichte. Die Brände verwüsteten insgesamt eine Fläche von rund zwei Millionen Hektar, was in etwa der Größe von Hessen entspricht. Allein in Kalifornien kam es dadurch zur Freisetzung von 112 Millionen Tonnen CO2. Das ist ungefähr die CO2-Menge, die sämtliche Gebäudeheizungen in Deutschland pro Jahr verursachen.
  • Ende Dezember zog der Deutsche Wetterdienst für Deutschland die Jahresbilanz 2020: Zweitwärmstes Jahr aller Messungen, über zwei Grad Celsius wärmer als im langjährigen Durchschnitt, und nach 2018 und 2019 erneut zu trocken.
  • Im Januar 2021 ordnete die US-amerikanische Klimabehörde NOAA das Jahr 2020 als das weltweit zweitwärmste Jahr der Wettergeschichte knapp hinter 2016 ein. Nach Analysen der NASA war 2020 sogar das wärmste Jahr.
  • Die im Februar veröffentlichte Waldzustandserhebung 2020 des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft stellt fest, dass fast 80 Prozent der Bäume in Deutschlands Wäldern Schäden aufweisen und die Absterberate gegenüber dem Vorjahr weiter zugenommen hat.
  • Australien erlebte nach den größten Waldbränden seiner Geschichte Ende 2019 und Anfang 2020 ein Jahr darauf Wetterextreme anderer Art. Im März 2021 suchten Westaustralien heftige Überschwemmungen heim, ausgelöst durch die stärksten Regenfälle seit vielen Jahrzehnten.

Schaffen wir rechtzeitig die Klimawende?

Zu wenig gegen die gefährliche Erderwärmung zu tun, verursacht überall auf der Welt infolge zunehmender Wetterextreme und Naturkatastrophen immer größere wirtschaftliche Schäden. Hinzu kommen wachsende Kosten für Anpassungsmaßnahmen wie z. B. höhere Deiche wegen des steigenden Meeresspiegels. Weltweit leiden auch immer mehr Menschen, die von Dürren, Bränden, Stürmen oder Überschwemmungen betroffen sind.

Die kostspieligen und grausamen Folgen der Erderwärmung haben in letzter Zeit viele Industrieländer veranlasst, sich zu ehrgeizigen Klimaschutzzielen bis 2030 und den darauffolgenden Dekaden zu bekennen. Sobald diesen Langfristzielen konkrete Maßnahmen mit wissenschaftlich fundierten CO2-Budgets zur Einhaltung des Pariser Klimaabkommens folgen, wäre das der Beginn einer weltweiten Klimawende.

„Gegenwärtig ist der Klimawandel schneller als wir“, mahnte UN-Generalsekretär António Guterres bereits 2019. Daran hat sich bisher nichts geändert, außer dass der Zeitdruck für die Aufholjagd höher geworden ist.

Wie der Wettlauf der Menschheit gegen die bedrohliche Erderwärmung am Ende ausgeht, wird sich nach Ansicht vieler Klimawissenschaftler*innnen in diesem Jahrzehnt vorentscheiden. Noch ist der Ausgang des Rennens offen.

Links

  • Echtzeithochrechnung der globalen Erderwärmung: Environmental Change Institute der Universität Oxford, Großbritannien
  • langjähriger CO2-Anstieg in der Erdatmosphäre: 2 Degrees Institute, Sechelt, British Columbia, Kanada
  • Keeling-Kurve und CO2-Konzentration am Observatorium Mauna Loa auf Hawaii: Scripps Institution of Oceanography der Universität von Kalifornien, San Diego, USA
  • aktuelle CO2-Messergebnisse der NOAA-Forschungsstation Mauna Loa auf Hawaii: Global Monitoring Laboratory der Klimabehörde NOAA, Boulder, USA
  • globale CO2-Emissionen 1850-2018 (ohne Emissionen aus der Landnutzungsänderung und Forstwirtschaft): Internet-Plattform climatewatch des World Resources Institute, Washington DC, USA