Klimawandel, Klimakrise, Klimarettung

Der Wettlauf gegen die Erderwärmung.

Das Weltklima verändert sich zurzeit im Eiltempo. Die Weltmitteltemperatur steigt und steigt, und das seit drei Jahren sogar schneller als erwartet.

Mit der seit 2023 sprunghaft gestiegenen Globaltemperatur stimmen die vorherrschenden Klimamodelle kaum noch überein. Haben die Fachleute das Tempo der Erderwärmung unterschätzt?

Nachdem im Frühjahr 2024 das klimawirksame Naturphänomen „El Nino“ im tropischen Pazifik abgeklungen war, erhofften sich viele einen Rückgang des Temperaturschubs.

Doch diese Hoffnung erfüllte sich nicht. Stattdessen gab bei der Weltmitteltemperatur im Sommer 2024 einen neuen Tagesrekord. Am Jahresende dann einen Jahresrekord, mit dem erstmals eine viel beschworene Grenzmarke im Klimaschutz überschritten wurde.

Im Januar 2025 riss die Rekordserie nicht ab. Wie über ein dutzend Mal davor registrierten die Klimaforscher*innen beim globalen Temperaturdurchschnitt erneut ein Monatsrekord.

Zugleich hat sich 2023 und 2024 der CO2-Zuwachs in der Erdatmosphäre beschleunigt. Auch hier gab es 2024 einen Rekord. Am Observatorium Mauna Loa auf Hawaii, wo seit 1958 die Luftanalysen zur berühmten „Keeling-Kurve“ vorgenommen werden, stieg die CO2-Konzentration so stark wie noch nie seit Messbeginn.

2025 hat sich der CO-Zuwachs leicht abgeschwächt, aber nicht so stark, wie das früher in sogenannten „La-Nina“-Jahren der Fall gewesen ist. Ob sich der Trend zu einem beschleunigten CO2-Anstieg in der Atmosphäre fortsetzt, wird sich in den nächsten zwei bis drei Jahren zeigen.

Mit den hohen CO2-Zuwächsen geraten nebenbei die langfristigen Klimaziele des Weltklimarats ins Wanken. Wird neuerdings auf den Landmassen der Erde zunehmend weniger CO2 absorbiert? Zu dieser Schlussfolgerung kommt eine erste wissenschaftliche Studie zu den Ursachen des starken CO2-Anstiegs in 2023 und 2024.

Der globale Kohlenstoffkreislauf verliert womöglich an Kraft, denn die weltweiten CO2-Emissionen sind 2023 und 2024 nur geringfügig angestiegen. Verfestigt sich dieser Trend, würde die ohnehin hohe Geschwindigkeit der Erderwärmung zusätzlich geboostert werden.

Außerdem verändern sich seit vier Jahrzehnten ganz allmählich Wolkenmuster und Windströmungen in Teilen der Erdatmosphäre. Das belegen Satellitenbeobachtungen der NASA. Eine der Folgen davon ist, dass mehr Sonnenenergie auf die Erdoberfläche eingestrahlt wird.

Um die Brisanz von alldem – insbesondere für Europa – zu ermessen, ist ein bestimmtes Grundwissen über den Klimawandel nötig. Dazu soll diese Webseite beitragen.

Das Tempo des Klimawandels – eine Frage der Messmethode

Wenn eingangs behauptet wurde, das Weltklima verändere sich im Eiltempo – was bedeutet das konkret?

Von Klima sprechen Fachleute, wenn sie Wetterdaten über einen Zeitraum von mindestens 30 Jahren betrachten. Wie schnell also ist die Weltmitteltemperatur im Verlauf der letzten drei Jahrzehnte gestiegen?

Zunächst ein Blick auf die Gesamtbilanz der Erderwärmung. Dazu kursieren unterschiedliche Zahlen aufgrund unterschiedlicher Berechnungsmethoden.

Laut dem kalifornischen Klimaanalyse-Institut Berkeley Earth hat sich die Durchschnittstemperatur auf der Erdoberfläche seit der Zeit der Hochindustrialisierung (1850-1900) im Mittel um 1,3 Grad Celsius erhöht. Diese Temperaturangabe beruht auf dem statistischen Trend der Erderwärmung seit 1980.

Etwas höher als Berkeley Earth, nämlich zwischen 1,34 und 1,41 Grad Celsius, verortet die Weltwetterorganisation WMO die Erderwärmung seit 1850-1900. Die WMO beruft sich dabei auf drei unterschiedliche Berechnungsmethoden, die im Klima-Jahresbericht 2024 der WMO näher erläutert werden.

Zu einem verblüffend anderen Zahlenwert kommt aufgrund des Berechnungsverfahrens der Weltklimarat IPCC. Die oberste Instanz der Klimawissenschaften ermittelt, vertreten durch eine Gruppe namhafter Klimaforscher*innen, die Erwärmung über den Durchschnitt der globalen Mitteltemperaturen der letzten 20 Jahre.

Dafür derzeit relevant sind die Jahre 2005-2024, und in dieser Zeit war die Erde im Mittel 1,09 Grad Celsius wärmer als 1850-1900. Dieser Wert ist insofern bedeutend, indem er die Richtschnur darstellt, ob das 1,5-Grad-Ziel des Pariser Klimaabkommens eingehalten wird.

Das Jahr 2024 war weltweit gesehen das mit Abstand heißeste seit Aufzeichnungsbeginn. Die globale Durchschnittstemperatur für dieses einzelne Jahr lag nach Angaben der WMO um 1,55 Grad Celsius und laut Berkeley Earth sogar 1,62 Grad über der von 1850-1900.

Die globale Erwärmung seit 1850-1900, so wie Berkeley Earth und die Weltwetterorganisation WMO, derzeit mit 1,3 bis 1,4 Grad zu beziffern, erscheint daher am plausibelsten, zumal die Weltmitteltemperatur auch in diesem Jahr laut der aktuellen Prognose von Berkeley Earth eher darüber liegen wird.

Was der Temperaturwert von 1,3 bis 1,4 Grad allerdings verbirgt: Mindestens die Hälfte des Anstiegs geht auf das Konto der letzten dreieinhalb Jahrzehnte. Seit 1990 ist es um 0,7 bis 0,8 Grad Celsius wärmer geworden.

Um 1990 lag die globale Durchschnittstemperatur im langjährigen Mittel lediglich 0,6 Grad über dem frühindustriellen Niveau. Das belegen Klimadatensätze renommierter Klimaforschungsdienste wie etwa der US-amerikanischen Klimabehörde NOAA und des britischen Hadley Centre.

Damit hat sich die Erdatmosphäre seit Anfang der 1990er-Jahre stärker erwärmt als in den über 100 Jahren davor. Global gesehen ist der Klimawandel nach 1990 sämtlichen Klimaschutzanstrengungen quasi auf und davon gelaufen.

Seit Anfang der 1990er-Jahre nahm auch der weltweite Kohlenstoffdioxid-Ausstoß kräftig zu. Die CO2-Emissionen aus der Verbrennung von Kohle, Öl und Gas erhöhten sich von 22,7 Milliarden Tonnen im Jahr 1990 auf 37,8 Milliarden in 2024.

Der Gleichschritt von CO2-Emissionen und CO2-Konzentration

Der Anstieg der CO2-Konzentration in der Erdatmosphäre gilt als Haupttreiber des Klimawandels. CO2 aus der Verbrennung fossiler Energieträger trägt zu rund zwei Dritteln zur globalen Erwärmung bei.

Die Entwicklung der CO2-Emissionen seit Beginn der Industrialisierung spiegelt sich erstaunlich genau in der CO2-Konzentration wider. Mit den wachsenden Emissionsmengen erhöhte sich im gleichen Tempo auch der CO2-Anteil in der Atmosphäre.

Die Anreicherung der Lufthülle unseres Planeten mit dem langlebigen Spurengas verlief dabei exponentiell.

Der CO2-Anteil von 285 ppm (parts per million) um 1850 stieg zunächst viele Jahrzehnte lang ganz langsam und dann immer flotter auf 353 ppm im Jahr 1990. Das bedeutet eine Zunahme von 68 ppm in 140 Jahren.

Nach 1990 nahm der CO2-Anstieg dann richtig Tempo auf und erreichte 426 ppm zu Jahresbeginn 2025 – ein Plus von 73 ppm.

Damit ist – passend zum parallelen Anstieg der Weltmitteltemperatur – auch der CO2-Anteil in der Erdatmosphäre in den letzten 34 Jahren stärker gewachsen als in den 140 Jahren davor.

Zum beschleunigten Anstieg der CO2-Konzentration seit 1990 wiederum passt, dass laut der Webseite climatewatchdata.org mehr als die Hälfte aller CO2-Treibhausgase nach 1990 in die Atmosphäre befördert wurden. Somit ist heute mehr als jedes zweite CO2-Molekül in der Erdatmosphäre, das aus Verbrennungsprozessen fossiler Energieträger stammt, nicht älter als höchstens 34 Jahre.

Der von Jahr zu Jahr stärker spürbare Klimawandel ist deshalb weniger das Ergebnis einer langen historischen Entwicklung seit Beginn des Industriezeitalters, sondern er beruht hauptsächlich auf den globalen CO2-Emissionen aus der Zeit nach 1990.

Die rasant gestiegenen Celsius- und CO2-Zahlen nach 1990 zeigen: Innerhalb von nur einer Generation hat die Menschheit es geschafft, das seit über 10.000 Jahren weitgehend stabile Klimasystem der Erde ins Wanken zu bringen – mit Folgen wie etwa immer häufiger auftretenden Extremwetterlagen, fortschreitenden regionalen Klimaveränderungen und zunehmend wahrscheinlichen Klimakipppunkten.

Methan – hohe Zuwächse beim zweitwichtigsten Treibhausgas

Nicht nur die heute erreichte CO2-Konzentration in der Atmosphäre lässt darauf schließen, dass die globale Klimastabilität brüchig geworden ist. Auch der Anteil des Treibhausgases Methan (CH4) wächst seit mehr als einem Jahrzehnt ungewöhnlich stark.

Methangasemissionen sind der zweitstärkste Motor der vom Menschen verursachten Erderwärmung. Das Spurengas trug 2023 nach dem „Annual Greenhouse Gas Index (AGGI)“ der US-Klimabehörde NOAA mit rund 16 Prozent zur globalen Erwärmung bei.

Die wichtigsten Quellen von Methan-Treibhausgasen sind die Kohle-, Öl- und Gasförderung sowie die Landwirtschaft, insbesondere die Tierzucht. Auch Feuchtgebiete können Methan ausstoßen.

Zwar sind seit 2021 rund 160 Länder dem Abkommen „Global Methane Pledge“ beigetreten, das die Reduzierung der weltweiten Methan-Emissionen um 30 Prozent bis 2030 anstrebt. Russland, Indien und China als Top-Verursacher gehören bislang aber nicht zu den Unterzeichnern.

Methan ist als Treibhausgas besonders effektiv, es hat in einer Hinsicht aber eine eigentlich lobenswerte Eigenschaft: Anders als CO2, verweilt CH4 nur ungefähr zwölf Jahre in der Atmosphäre. Danach ist es weitestgehend verschwunden, was heißt, dass es sich in Kohlendioxid und Wasserdampf verwandelt hat.

Dagegen steht die geradezu erschreckend effektive Eigenschaft: Als Treibhausgas wirkt CH4 laut dem Methan-Forscher Rob Jackson von der Stanford University nach seiner Freisetzung ungefähr 120-mal stärker als CO2.

Insgesamt hat sich der Anteil von Methan in der Erdatmosphäre seit Beginn der Industrialisierung um mehr als das Zweieinhalbfache erhöht. Den stärksten CH4-Zuwachs registrierten Klimafachleute in diesem Jahrzehnt.

In den Jahren 2020 und 2021 gab es bei der Zunahme der Methan-Konzentration in der Atmosphäre hintereinander zwei neue Allzeitrekorde. Von 2022 bis 2024 war der jährliche Zuwachs stets deutlich höher als im Durchschnitt der 2010er-Jahre.

Neben der steigenden CO2-Konzentration in der Atmosphäre zeigt ebenso der anhaltend hohe Zuwachs von Methan, dass die Menschheit in eine immer gefährlichere Klimakrise schlittert.

Das betrifft besonders die sogenannten Kipppunkte im Klimasystem unseres Planeten.

Kipppunkte – die „known unknowns“ in der Klimaforschung

Kippelemente und Kipppunkte im Erdklima sind erst nach der Jahrtausendwende entdeckt worden. Sie gelten in der Klimaforschung bis heute als „known unknowns“, als „bekannte Unbekannte“. Was ist unter diesem Begriff aus der Risikowissenschaft zu verstehen?

Bei den Kippelementen handelt es sich um über ein Dutzend zentraler Bausteine im Klimagefüge der Erde, die im Verbund seit Jahrtausenden für Klimastabilität sorgen. Verändert sich einer davon, dann hat das zumindest starke Auswirkungen auf das regionale Klima und bei der Mehrzahl der Bausteine sogar für das gesamte globale Klimasystem.

Die meisten dieser Klimabausteine können relativ überraschend in einen neuen Zustand kippen, und ihre Veränderung lässt sich nicht mehr rückgängig machen.

Ein Kippelement sind die arktischen Permafrostgebiete. Flächenmäßig riesige Regionen mit Permafrostböden gibt es in Sibirien, Alaska und Nordkanada. Sie sind ein Überbleibsel der letzten Eiszeit und machen 20 bis 25 Prozent der Landflächen der Erde aus.

Teile der arktischen Permafrostzonen tauen seit einiger Zeit auf. Mancherorts mit erstaunlichen Folgen für das Landschaftsbild: Mal entstehen großflächige geometrische Bodenreliefs, mal gewaltige kreisrunde Krater oder bizarr anmutende Erdabrutsche.

Ist der Permafrostboden bis zu einer bestimmten Tiefe aufgetaut, wird er im Winter durch die Schneedecke davor geschützt, erneut vollständig zu gefrieren. Dann zersetzt sich in der aufgetauten Schicht allmählich der seit Urzeiten gespeicherte Kohlenstoff und entweicht als CO2 und Methan in die Atmosphäre. Zudem können aufgetaute Permafrostböden mit der Zeit austrocknen und in Brand geraten.

Alle diese Prozesse verstärken die Erderwärmung und sorgen für einen längeren Sommer mit höheren Temperaturen. Dies wiederum treibt das Auftauen der Böden, den Ausstoß von Treibhausgasen und die Brandgefahr weiter voran – und bildet im Prinzip einen Teufelskreis, besonders wenn man bedenkt, dass die Arktis sich viermal schneller erwärmt als im globalen Mittel.

Allerdings noch größere Risiken für Klimakipppunkte bergen andere Kältezonen der Erde. Das belegt eine 2022 erschienene Untersuchung der britischen Universität Exeter, an der ein internationales Forscher*innenteam mitwirkte.

Die Studie kam zu dem Ergebnis, dass wahrscheinlich bereits bei einer mittleren Erderwärmung von 1,5 bis 2 Grad Celsius das Grönland-Eis, das Barents-Meereis und der westantarktische Eisschild abschmelzen, die Zirkulation im Labrador-Meer kollabiert sowie die borealen Permafrostböden auftauen.

Wahrscheinlich werden dann auch die Korallenriffe dieser Welt wegen steigender Meerestemperaturen absterben – eine Vorhersage, die schlimmerweise bald einzutreffen droht. Laut der Organisation „International Coral Reef Initiative“ waren im Frühjahr 2025 weltweit über 80 Prozent aller Riffe von der auf Dauer für die Nesseltiere tödlichen Korallenbleiche betroffen.

Wie lässt sich die Erderwärmung abbremsen?

Um die Erderwärmung auf 1,5 Grad Celsius – dem optimalen Ziel des Pariser Klimaabkommens – zu begrenzen, müssten in einem ersten Schritt die weltweiten CO2-Emissionen bis 2030 ungefähr halbiert werden. Das hat der Weltklimarat 2023 in seinem letzten Sachstandsbericht festgestellt.

Eine derart drastische Reduktion der CO2-Emissionen in den verbleibenden Jahren dieses Jahrzehnts ist äußerst unwahrscheinlich. 2024 war der weltweite Kohlenstoffdioxid-Ausstoß so hoch wie nie. Die energiebedingten CO2-Emissionen lagen laut Internationaler Energieagentur IEA bei 37,8 Milliarden Tonnen – ein neuer Höchststand, und das zum vierten Mal in Folge!

Zwar hat der weltweite Ausbau der erneuerbaren Energien dafür gesorgt, dass die CO2-Emissionen immer nur gering angestiegen sind. Ein Stop oder gar eine Umkehr dieses Trends ist bisher aber ausgeblieben.

In den nächsten Jahren wächst der Strombedarf weltweit aufgrund vieler neuer, energiehungriger Rechenzentren für KI-Anwendungen. Das erschwert die Stillegung von Kohle- und Gaskraftwerken.

Und auch die aktuelle „Drill, Baby, Drill“-Energiepolitik in den USA könnte durch ihre globale Ausstrahlung dafür sorgen, dass 2025 zum fünften Mal hintereinander ein Treibhausgas-Rekordjahr wird.

Die 1,5-Grad-Marke von Paris einzuhalten ist daher so gut wie unmöglich geworden, besonders dann, wenn man deren erstmaliges Überschreiten im vergangenen Jahr mitbedenkt. Eine Antwort auf die Frage, wie sich die Erderwärmung derzeit realistisch abbremsen lässt, ist also bis auf Weiteres vertagt.

Heißer, stürmischer, nasser. Das Wetter wird immer verrückter

Einzelne Extremwetterereignisse, ungewöhnliche Dürreperioden und neue Hitzerekorde lassen keinen eindeutigen Rückschluss auf die Erderwärmung als Ursache zu. Aber ihre weltweite Zunahme in den letzten Jahrzehnten lässt auf diesen Zusammenhang schließen.

Die Verbindung von Wetter und Klima lässt sich mithilfe der sogenannten Attributionsforschung sogar wissenschaftlich nachweisen. Dieses Teilgebiet der Klimawissenschaft ist erst vor wenigen Jahren entstanden. Es bestimmt im Nachhinein mit statistischen Methoden, um wie viel wahrscheinlicher ein Wetterextrem durch die Klimaerwärmung geworden ist.

Aber auch ohne wissenschaftliche Nachweise merken die Menschen überall auf der Welt: Wetterlagen und Temperaturen schlagen immer häufiger Kapriolen mit unheilvollen Folgen. Da genügt ein Blick auf die vergangenen Monate:

  • Im vom Bürgerkrieg zerrütteten Sudan kam es Anfang September zu einer Tragödie. Nach tagelangen Regenfällen wurde bei einem Erdrutsch ein ganzes Dorf verschüttet. Die in dem Gebiet herrschende Miliz gab bekannt, dass dabei mehr als 1.000 Einwohner*innen umgekommen waren. Auf der Iberischen Halbinsel brachen zur selben Zeit erneut Waldbrände aus. Wie kurz darauf eine Studie der Internationalen Forschungsgruppe World Weather Attribution ergab, hat dort der menschengemachte Klimawandel Hitzewellen mit Waldbränden derzeit rund 40-mal wahrscheinlicher und 30 Prozent intensiver gemacht. Zur Emissionsbilanz der Waldbrände meldete der Europäische Klimawandeldienst Copernicus später im Monat einen Rekord: 2025 gab es in Europa die höchsten CO2-Emissionen durch solche Brände seit Messbeginn im Jahr 2002. Im Norden der Philippinen und auf Taiwan tobte zu Beginn der zweiten Septemberhälfte der Taifun „Ragasa“. Auf seiner Zugbahn richtete er schwere Sachschäden an, mindestens 27 Menschen verloren ihr Leben. Vor dem Auftreffen von „Ragasa“ auf die Küste Südchinas wurden dort mehr als zwei Millionen Menschen in Sicherheit gebracht. Nur wenige Tage später zog mit „Bualoi“ der nächste Taifun über die Philippinen, diesmal in Richtung Vietnam. Der Wirbelsturm hatte am Ende eine ähnlich hohe Schadensbilanz aufzuweisen, mit mehreren Dutzend Opfern, hunderttausenden betroffenen Menschen und enormen Sturm- und Überschwemmungsschäden, besonders in Vietnam. Überdies verzeichnete der September 2025 – wie jeder Monat in Zeiten des Klimawandels – weltweit viele Temperaturanomalien.
  • Im Oktober ereigneten sich extreme Unwetter mit sintflutartigen Regenfällen in Südostasien und Mittelamerika. Am Monatsanfang führte ungewöhnlich heftiger Monsunregen in Nepal und Indien zu Erdrutschen und Überschwemmungen. Dabei wurden mindestens 60 Menschen getötet. Extreme Monsunregenfälle verzeichnete danach auch Vietnam. In der alten Kaiserstadt Hue in Zentralvietnam fielen laut des nationalen Wetterdienstes innerhalb von 24 Stunden 1.085 Millimeter Regen, was einen neuen landesweiten Rekord bedeutet. Ganze Landstriche standen anschließend über einen Meter unter Wasser, das öffentliche Leben in den überschwemmten Gebieten kam fast völlig zum Stillstand. Wenige Tage später erlebte Mexiko in der jährlichen Regenzeit des Landes zwei tropische Wirbelstürme. Die brachten tagelange, ausgiebige Regenfälle. In 31 der 32 Bundesstaaten traten Flüsse über die Ufer, rund 260 Gemeinden wurden überschwemmt und von der Außenwelt abgeschnitten. Mindestens 78 Mexikaner*innen kamen während der fast einwöchigen Starkregenfälle ums Leben. Welchen Einfluss der Klimawandel auf die Unwetter hatte, wurde von der Forschungsgruppe „World Weather Attribution“ untersucht. Ein deutlicher, verstärkender Effekt konnte in der Studie aber nicht nachgewiesen werden. Das schlimmste Unwetter im Oktober bahnte sich im letzten Monatsdrittel an. Der Hurrikan „Melissa“ zog durch die Karibik mit Kurs auf Jamaika, Kuba und Haiti. Dabei entwickelte er sich zu einem Wirbelsturm der höchsten Kategorie 5, was bedeutet, dass Windgeschwindigkeiten von über 250 Stundenkilometer erreicht werden. Die stärksten Zerstörungen richtete „Melissa“ auf Jamaika an. Die Regierung erklärte am Tag danach die Insel zum Katastophengebiet. Fast im ganzen Land fiel der Strom aus, der Südwesten der Insel wurde völlig verwüstet. „Melissa“ war der stärkste Hurrikan, den das Land in seiner jüngeren Geschichte erlebt hat. Aufgrund vorbeugender Schutzmaßnahmen blieb die Opferzahl mit mindestens 28 Menschen relativ gering. Nach Jamaika richtete der Hurrikan auch auf Kuba und Haiti schwere Schäden an. Insgesamt kamen durch „Melissa“ in der Karibik mindestens 61 Menschen ums Leben. Wie eine Studie der Forschungsgruppe „World Weather Attribution“ ergab, hat der Klimawandel Wirbelstürme auf Jamaika um 30 Prozent stärker und doppelt so wahrscheinlich gemacht. Überdies verzeichnete der Oktober 2025 – wie jeder Monat in Zeiten des Klimawandels – weltweit viele Temperaturanomalien.
  • Im November schien es so, als hätte sich der weltweite Klimawandel mit seinen Wetterextremen insbesondere gegen Südostasien verschworen. Denn anderswo auf der Welt blieben unheilbringende Wetterereignisse rar. Um so gegensätzlicher fiel das Wettergeschehen in Südostasien aus. Die meiste Zeit des Jahres herrscht dort Monsunklima mit viel Regen, der oft im Gepäck eines Tropensturms, Zyklons oder Taifuns heranzieht, und dann umso intensiver ausfällt. Im November durchquerten Südostasien so viele Stürme mit sintflutartigen Regenfällen wie lange nicht mehr. In der ersten Monatshälfte zogen zwei Taifune mit Starkregen nach Vietnam (abermals!) und über die Philippinen. Ende des Monats traf ein Zyklon Sri Lanka; davor hatte tagelang ein Tropensturm in Teilen von Thailand, Malaysia und Indonesien gewütet. In den betroffenen Regionen sah es nach Ende der Unwetter so aus, als hätte die Natur einen Blitzkrieg gegen die dort ansässige Bevölkerung samt ihren Siedlungsstrukturen und Kulturlandschaften geführt. Mit Naturgewalten wie Orkanböen, Sturzregenfällen, Erdrutschen, Flutwellen, Schlammlawinen und meterhohen Überschwemmungen. Am katastrophalsten wirkte sich der Tropensturm auf der Insel Sumatra aus, wo über 900 Menschen die Unwetter nicht überlebten. In Sri Lanka starben mehr als 600 Menschen. In Thailand zählte man mindestens 180 Todesopfer und fast drei Millionen von den Fluten Betroffene. Der dortige Ministerpräsident ließ kurz danach verlauten, dass die Regierung nicht in der Lage gewesen sei, die Menschen zu schützen. Zwei Untersuchungen der Forschungsgruppe „World Weather Attribution“ in Teilgebieten von Sumatra, Malaysia und Sri Lanka ergaben, dass der Klimawandel die sintflutartigen Regenfälle um mindestens neun Prozent in dem einen, und um mindestens 28 Prozent in dem anderen Gebiet verstärkt hat. Die verheerenden November-Unwetter in Südostasien zeigen einmal mehr: Die Bevölkerung in den ärmeren Ländern des Globalen Südens hat viel stärker unter den Auswirkungen des Klimawandels zu leiden als die Menschen im Globalen Norden. Überdies verzeichnete der November 2025 – wie jeder Monat in Zeiten des Klimawandels – weltweit viele Temperaturanomalien.
  • Zum Dezember 2025: Unter den Bedingungen des Klimawandels gab es an mehreren Orten der Nordhalbkugel extreme Niederschläge und heftige Winterstürme. Anfang des Monats traf ein „atmosphärischer Fluss“ mit tagelangem Dauerregen den Nordwesten der USA und Westkanada. Weite Landstriche im Hinterland von Seattle und Vancouver standen unter Wasser. Manche Betroffene mussten aus Häusern und Autos gerettet werden, und annähernd 100.000 Menschen mussten sich auf Anweisung der Behörden auf eine Evakuierung vorbereiten. Die umfangreichen Schutzmaßnahmen sorgten dafür, dass es keine Todesopfer zu beklagen gab. Ganz anders war es kurz danach in Marokko. Seit sieben Jahren herrscht dort eigentlich eine schwere Dürre. Dann fiel Mitte September im Süden des Landes an der Atlantikküste unerwartet heftiger Starkregen. In der Hafenstadt Safi starben 21 Menschen, als Sturzfluten die Altstadt überschwemmten. An Weihnachten wurde Südkalifornien von heftigen Unwettern heimgesucht. Auch hier war die Ursache ein „atmosphärischer Fluss“, der ergiebige Regenfälle und heftige Sturmböen mit sich brachte. Wegen Schlammlawinen und schweren Überschwemmungen riefen mehrere Landkreise den Notstand aus. Drei Menschen kamen während der tagelangen Unwetter ums Leben. Ende des Monats tobte in Norwegen, Schweden und Finnland ein schwerer Wintersturm, der teilweise zu chaotischen Verhältnissen führte. Zehntausende Menschen blieben wegen umgefallener Bäume und Schneeverwehungen in Bahnhöfen und auf Straßen stecken. Telefonverbindungen waren vielerorts unterbrochen, und in 140.000 Haushalten fiel zeitweise der Strom aus. Während des Wintersturms gab es durch umstürzende Bäume drei Tote. Überdies verzeichnete der Dezember 2025 – wie jeder Monat in Zeiten des Klimawandels – weltweit viele Temperaturanomalien.

Klima-Daumenschraube statt Klimakatastrophe

In Medienberichten zur Klimakrise wird häufig die Klimakatastrophe, der Klimakollaps oder sogar die existenzielle Bedrohung der Menschheit heraufbeschworen. Für derart plakativ schwarzmalende Prognosen gibt es aber weder wissenschaftliche Belege noch sind sie plausibel.

Denn eine globale Klimakatastrophe oder gar das Ende der menschlichen Zivilisation geschähe nicht plötzlich, sondern würde sich lange vorher abzeichnen. Als Folge entstände weltweit bei immer mehr Menschen, insbesondere jüngeren, eine wachsende Verunsicherung bis hin zur Zukunftsangst.

Welche politische Reaktion wäre wahrscheinlich, wenn die menschliche Zivilisation immer offensichtlicher auf einen Klimakollaps zusteuert?

Ähnlich wie bei der Rettung des Euro im Jahr 2012 durch die Europäische Zentralbank unternähme bei einer heraufziehenden Klimakatastrophe die internationale Staatengemeinschaft vermutlich ebenso „alles Notwendige“, um diese Bedrohung abzuwenden – gemäß den drei legendären Draghi-Worten „whatever it takes“.

Im Mittelpunkt könnte dabei das sogenannte „Solar Geoengineering“ stehen. Damit bezeichnen Klimaforscher*innen Eingriffe in die Erdatmosphäre, die die Sonneneinstrahlung reduzieren und so einen Abkühlungseffekt bewirken.

Alle Klimafachleute bewerten „Solar Geoengineering“ wegen unvorhersehbarer Nebenwirkungen auf die Ökosysteme der Erde und das regionale Wettergeschehen als äußerst riskant. Manche fordern wegen des beschleunigten Klimawandels mehr Forschung darüber. Andere finden, am Weltklima zu schrauben, sei geradezu verrückt.

Vorläufig dürfte „Solar Geoengineering“ eine sehr umstrittene Idee bleiben, denn nichts  deutet darauf hin, dass dem Planet Erde in Sachen Erwärmung eine Katastrophe bevorsteht. Solange die Menschheit wie gewohnt Treibhausgase emittiert und keine Klimakipppunkte überschritten werden, wird sich die Klimakrise lediglich immer weiter verschärfen – was dramatisch genug ist.

Denn Extremwetterereignisse wie etwa Hitzewellen, Dürren, Hagelschläge und Starkregen mit Überschwemmungen treten immer häufiger und kraftvoller auf. Für die davon betroffenen Menschen bedeutet das mindestens Erschwernisse im Lebensalltag, oft aber auch Leid und materielle Schäden bis hin zum Verlust ihrer Lebensgrundlagen und in Extremfällen ihres Lebens.

Die sich verschärfenden Wetterextreme führen außerdem zu immer größeren volkswirtschaftlichen Verlusten, zum Beispiel durch Missernten, Flutkatastrophen und Naturschäden. Hinzu kommen immer höhere Kosten für Anpassungsmaßnahmen an die globale Erwärmung wie etwa höhere Deiche wegen des ansteigenden Meeresspiegels oder Schutzmaßnahmen gegen Waldbrände.

Die Menschheit steckt gewissermaßen in einer Klima-Daumenschraube, die von der Erdatmosphäre aufgrund ihrer physikalischen Gesetze immer fester angezogen wird. Je mehr Treibhausgase die Atmosphäre aufnimmt, desto weiter schreitet die Erderwärmung voran, und desto größere Schäden erleiden Mensch und Natur.

Der Druck der Klima-Daumenschraube, den die Menschheit und die weltweite Natur immer schmerzhafter zu spüren bekommen, nimmt erst dann nicht mehr zu, wenn die Weltbevölkerung keine Treibhausgase mehr in die Atmosphäre entsorgt.

Wie geht es mit dem Klimawandel weiter?

Im Pariser Klimaabkommen haben fast alle Länder der Welt sich verpflichtet, in wenigen Jahrzehnten klimaneutral zu sein.

Mit der praktischen Umsetzung dieses Ziels ist aber noch kein einziges Land entschlossen genug aus den Startlöchern gekommen. So ist es nicht verwunderlich, dass auch die im Abkommen vereinbarte Begrenzung der Erderwärmung möglichst auf 1,5 Grad als kaum noch erreichbar gilt.

Die Klimaziele der Unterzeichner verfolgt und bewertet seit längerem die Organisation „Climate Action Tracker“. Mit dem Ergebnis, dass derzeit kein Staat der Welt eine Klimaschutzpolitik betreibt, mit der das 1,5-Grad-Ziel einzuhalten wäre.

„Gegenwärtig ist der Klimawandel schneller als wir“, mahnte UN-Generalsekretär António Guterres bereits 2019. Daran hat sich seitdem nichts geändert, außer dass für die Aufholjagd immer weniger Zeit zur Verfügung steht. Denn keine Klimaforscher*in kann verlässlich vorhersagen, wie viele Jahre uns noch bleiben, um den am Horizont aufziehenden, desaströsen Kipppunkten im Klimasystem zu entgehen.

Abgesehen davon nehmen mit jedem Zehntelgrad zusätzlicher Erderwärmung auch die Klimaschäden zu. Das Rennen gegen die Aufheizung der Erdatmosphäre durch kleine Fortschritte erst langfristig zu gewinnen, könnte daher für einen Großteil der Menschheit und für die weltweite Natur kaum weniger katastrophale Auswirkungen haben, als es zu verlieren.

Der Menschheit läuft die Zeit davon

Je stärker der Mensch durch seine Treibhausgasemissionen das Erdklima aufheizt, umso tiefgreifender verwandelt er die früher einmal als „blauer Planet“ bewunderte Erde in eine versehrte Erde. Und die schlägt – wahrlich im doppelten Sinne des Wortes – immer wütender mit Dürren, Hitzewellen, Sturzfluten, Orkanen, Waldbränden zurück.

Wie etwa im Sommer 2021 mit einer von Klimawissenschaftler*innen bis dahin für unmöglich gehaltenen „Hitzekuppel“ im amerikanischen Nordwesten und in Westkanada. Meteorolog*innen bezeichneten das Wetterphänomen als verrückten „freak event“.

Während der einwöchigen Hitzewelle wurden die bisherigen Temperaturrekorde an den meisten Wetterstationen gleich um mehrere Grad Celsius übertroffen. Der Rekordhitze fielen rund tausend meist ältere Menschen zum Opfer.

Knapp zehn Monate später verzeichneten Klimaforscher*innen erneut einen „freak event“, diesmal am Kältepol der Erde, der rund 1.300 Kilometer östlich des Südpols liegt.

Wo sonst Mitte März der Durchschnittswert -48,6 Grad Celsius beträgt, registrierte das Team der russischen Wostok-Forschungsstation am 18. März -10,1 Grad Celsius. Das lag 38,5 Grad über dem langjährigen Mittel.

Ein französischer Klimaforscher sagte dazu der „Washington Post“: „Dieses beispiellose Ereignis hat unsere Annahmen über das antarktische Klimasystem auf den Kopf gestellt.“

Kommen angesichts der erlebten, krassen Wetterextreme in Nordwestamerika und am Südpol künftig weitere, unvorhergesehen heftige Extremwetterereignisse auf uns zu?

Es sieht leider ganz danach aus, denn die Welt entfernt sich zunehmend von den Vereinbarungen des Pariser Klimaabkommens. Die Lücke zwischen den Minderungszielen des Abkommens und den Treibhausgas-Emissionen nimmt in fast allen Ländern weiter zu.

Die Zahlen dazu liefert der jüngste „Emissions Gap Report“ der UNO. Das UN-Umweltprogramm betitelt seinen im Herbst 2024 erschienenen Emissions-Sachstandsbericht mit „No more hot air, please!“.

Der Titel ist eine Mahnung und zugleich auch eine Anspielung auf die oft hochgestochenen Ziele vieler Länder zur Senkung ihrer Treibhausgas-Emissionen, und deren eigentlich von vornherein absehbare Verfehlung.

Im Wettlauf gegen die Erderwärmung fällt die Menschheit im Grunde solange weiter zurück, wie der weltweite CO2-Ausstoß steigt oder auf dem derzeit viel zu hohen Niveau stagniert. Nur ein massiver Rückgang der Treibhausgasemissionen kann das Rennen zugunsten der Menschheit drehen.

Wie ließe sich diese Reduktion praktisch umsetzen? Das hat die Menschheit bisher noch nicht herausgefunden. Seit 2021 war jedes Jahr ein neues Rekordjahr beim CO2-Ausstoß.

Gleichzeitig wächst der Zeitdruck, die Emissionen zu senken. Denn seit 2024 gibt es Anzeichen dafür, dass der Klimawandel sich beschleunigt.

Die Klimazukunft ist offen

Verdichten sich dieses Jahr die Anzeichen für eine forcierte Erderwärmung, könnte weltweit auch der politische Erfolgsdruck zur Reduzierung der Treibhausgase wachsen. Denn ihre Rolle als Hauptverursacher des Klimawandels ist in der Klimapolitik inzwischen unbestritten.

Werden aber die derzeitigen Strategien zur Bekämpfung der Klimakrise ausreichen, wie etwa der Ausbau erneuerbarer Energien, Wärmepumpen in Gebäuden, CO2-Speicher unterm Meer, Wasserstoff aus der Wüste (!), Mini-Kernkraftwerke aus der Serienfertigung, eine digitalisierte Stromversorgung, der Umstieg auf Elektroautos, E-Fuels für Flugzeuge, CO2-Steuern und globaler Emissionshandel?

Blindes Vertrauen in den Erfolg dieser Strategien wäre nicht nur angesichts der vielen Täuschungs- und Betrugsfälle der letzten Jahre im globalen Emissionshandel fehl am Platz.

Selbst klimaneutral erzeugter, grüner Wasserstoff ist rein als Gas betrachtet fürs Klima ein janusköpfiger Stoff. In der Atmosphäre wirkt Wasserstoff zwar nicht direkt als Treibhausgas. Indirekt aber könnte das künftig durchaus der Fall sein. Um diese Zwiespältigkeit zu verstehen, braucht es ein wenig Chemiewissen.

Wasserstoff hat die geringste Atommasse aller Elemente. Seine Moleküle durchdringen jede noch so kleine Ritze. Außerdem ist Wasserstoff überaus reaktionsfreudig. Aus undichten Stellen an Pipelines, Verdichtern, Elektrolyseuren etc. entwichene Wasserstoffmoleküle verbinden sich alsbald mit sogenanntem Hydroxyl-Radikal in der Atmosphäre.

Dieses kaum bekannte Molekül gilt als „Waschmittel“ der Atmosphäre. Es macht das Treibhausgas Methan und andere problematische Gase wie etwa bodennahes Ozon nach und nach unschädlich.

Hydroxyl-Radikale entstehen über natürliche Prozesse, sie sind daher nur begrenzt vorhanden. In einer künftigen, weltweiten Wasserstoff-Infrastruktur könnten über unbemerkte Leckagen größere Mengen Wasserstoffgas in die Atmosphäre entfleuchen und mit Hydroxyl-Radikalen reagieren.

Dadurch würde ein beträchtlicher Teil dieser Waschmittel-Moleküle aufgebraucht und als Folge das Treibhausgas Methan langsamer abgebaut. Letzteres würde dann länger dem Klima einheizen.

Durchaus möglich ist daher, dass der derzeit in vielen Industrieländern eingeschlagene Weg zu einer Wasserstoffwirtschaft auf Basis regenerativer Energien sich als Irrweg erweist. Die Warnungen vor den Risiken einer globalen Wasserstoffwirtschaft nehmen in jüngster Zeit zu.

Albert Einstein soll einmal gesagt haben: „Probleme kann man niemals mit derselben Denkweise lösen, durch die sie entstanden sind.“ Einstein war nicht nur ein genialer Physiker, sondern zugleich ein hellwacher, politischer Beobachter seiner Zeit.

Heute ein solcher Beobachter ist der indische Historiker Dipesh Chakrabarty. Als hätte ihn Einstein inspiriert, schlägt er eine andere Denkweise vor, mit der die Menschheit gegen die Klimakrise und zugleich das Artensterben vorgehen sollte.

Im Schweizer Fernsehen erklärt Chakrabarty, wie der Mensch durch seine Anzahl, Technik und Lebensweise heute zu einer „planetaren Kraft“ geworden ist, die das Leben auf der Erde zu großen Teilen auslöschen könnte.

Einen Ausweg aus diesem Dilemma sieht er, indem die Menschheit ein neues, „planetares Denken“ entwickelt – ähnlich wie es dies früher einmal bei Naturvölkern gegeben hat.

Chakrabarty glaubt, dass die Menschheit als Reaktion auf die Klimakrise neue geistige und gesellschaftliche Leitbilder hervorbringen wird – vom Prinzip her ähnlich wie einstmals im Zeitalter der Aufklärung. Er begründet das mit Auffassungen vom Wesen des Menschen, die Philosoph*innen wie etwa Immanuel Kant erdachten.

Fazit: Für die Menschheit steht viel auf dem Spiel. Derzeit schreitet der Klimawandel in Rekordgeschwindigkeit voran. Je mehr die Erde sich erwärmt, desto näher rücken gefährliche Klimakipppunkte und als vermeintlicher Ausweg das meteorologisch, ökologisch und auch geopolitisch hochriskante „Solar Geoengineering“.

Warum geopolitisch? Weil es infolge von „Solar Geoengineering“ in Ländern des Globalen Südens geringere Niederschläge und intensivere Hitzewellen geben könnte, während der Globale Norden durch kühlere Sommer profitiert. Die Welt würde dann wahrscheinlich noch instabiler als sie es heute schon ist.

Besser, die Menschheit beeilt sich mit der Klimarettung, genauer gesagt: Mit der Rettung der Klimaepoche des Holozäns, die durch ihre Beständigkeit die menschliche Zivilisation ermöglicht hat.

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Teil 1

„Als Geologe kann man nicht umhin, sich angesichts der Zeichen der Zeit und der Prognosen des IPCC an Ereignisse aus der Erdgeschichte ‚erinnert‘ zu fühlen: Steigende Kohlendioxidwerte und Temperaturen, kollabierende Eisschilde und steigende Meere sind nichts Neues, aber die Geschwindigkeit, mit dem dies passiert, ist einzigartig.“

Peter D. Ward, US-amerikanischer Paläontologe und Professor an der Universität von Seattle, im Vorwort zu seinem Buch „Die große Flut“

Teil 2

„Die Wahrheit ist wie die Sonne hinter den Wolken. Man kann sie nicht ewig verdecken.“

Chinesisches Sprichwort