Die Energiesparpyramide: Ein Wegweiser zum klimaneutralen Haus.

Klimaneutralität und Verbrennerautos passen nicht zusammen. Im Individualverkehr bahnt sich deshalb der Abschied vom klimaschädlichen Auto mit Benzin- oder Dieselmotor an. Die Zulassungszahlen steigen fast überall in der Welt kontinuierlich, so dass inzwischen keine Zweifel mehr bestehen: Die Zukunft gehört dem Elektroauto.

Strom wird nach und nach klimaneutral

Ein E-Auto fährt klimaneutral, wenn der Strom dafür vollständig ohne CO2-Emissionen erzeugt wird. Diese Anforderung erfüllt Ökostrom aus erneuerbaren Energiequellen.

In Deutschland ist das zwar noch nicht ganz der Fall, 2020 betrug der Ökostromanteil am Stromverbrauch immerhin rund 46 Prozent. 2021 ging die Ökostromquote auf etwa 42 Prozent zurück, weil der Wind im Jahresmittel weniger als üblich wehte.

Für die nächsten Jahre plant die Bundesregierung den massiven Ausbau der Windkraft und der Fotovoltaik. Bis 2030 sollen laut den Zielen des Klimaschutzgesetzes mindestens 80 Prozent des verbrauchten Stroms aus erneuerbaren Energiequellen stammen und spätestens 2045 sollen es 100 Prozent sein.

Die Dekarbonisierung des Gebäudebestands

Wie im Automobilbereich, so ist auch im Bau- und Wohnungswesen in den nächsten beiden Jahrzehnten ein weitgehender Ausstieg aus der Nutzung der klimaschädlichen fossilen Energieträger Heizöl und Erdgas notwendig.

Das Schlagwort dazu lautet Dekarbonisierung, also der allmähliche Verzicht auf kohlenstoffhaltige Energierohstoffe.

Einen ersten Schritt zu diesem Ziel markierten die von der Bundesregierung 2019 beschlossenen Einschränkungen für Ölheizungen ab 2026. In den nächsten Jahren dürften auch Erdgasheizkessel, weil kaum weniger klimaschädlich als Ölkessel, von Einschränkungen betroffen sein.

Die CO2-freie Heizung der Zukunft

Ganz klar der Favorit für die klimaneutrale Hausheizung der Zukunft ist die Wärmepumpe. Die Wärmepumpentechnik ist seit Jahrzehnten im Einsatz und somit technisch ausgereift. Genau wie ein E-Auto wird ein „E-Haus“ klimaneutral, wenn der gesamte Strom für Heizung, Warmwasser und Elektrogeräte ohne Treibhausgase erzeugt wird.

Das Heizen mit Wärmepumpentechnik ist hinsichtlich seiner zukünftigen Klimaneutralität schlüssig. Das Konzept hat bei Altbauten allerdings einen Haken: Wärmepumpen sind dann energieeffizient, wenn die Vorlauftemperaturen der Heizung niedrig ausfallen. Ideal sind Vorlauftemperaturen unter 40 Grad Celsius.

Ziel sollte es sein, mit der Wärmepumpe aus einer Kilowattstunde elektrischer Energie drei bis vier Kilowattstunden Wärmeenergie zu erzeugen.

Denn Netzstrom für eine Wärmepumpenheizung kostet seit Jahrzehnten pro Kilowattstunde drei bis vier Mal mehr als bei Heizöl und Erdgas. Das dürfte sich in Zukunft höchstwahrscheinlich kaum ändern.

Die Mehrzahl der heutigen Altbauten sind Energieschlucker mit entsprechend hohen Heizkosten für Öl oder Gas. Jeder damit beheizte Altbau lässt sich dennoch an den Einbau einer Wärmepumpe anpassen, ohne dass dadurch die Heizkosten ins Uferlose steigen.

Der Schlüssel ist eine „Energiediät“ in Form einer energetischen Modernisierung. Um Heizen und Warmwasser mit Strom effizient und bezahlbar zu machen, sollte durchs Modernisieren der Energiebedarf mindestens um den Faktor 3 bis 4 gesenkt werden.

Wird nach der Modernisierung zusätzlich noch kostenlose Sonnenenergie genutzt, dann reduziert sich die Energierechnung sogar gegenüber früher.

Grundsätzlich ist ein sehr geringer Wärmebedarf auch die beste Voraussetzung, um zukünftige Innovationen in der Heiztechnik wie etwa CO2-frei erzeugten „grünen Wasserstoff“ für eine Brennstoffzellenheizung zu nutzen. Denn kostengünstiger als Ökostrom werden solche Energieinnovationen wohl kaum ausfallen.

Ob Wärmepumpe oder innovative CO2-freie Heiztechniken: Eine universelle Strategie für das klimaneutrale Haus der Zukunft liefert die Energiesparpyramide.

Die Grundidee

Wer sich gesund und ausgewogen ernähren will, dem liefert die Lebensmittelpyramide der Deutschen Gesellschaft für Ernährung einen einfachen Wegweiser. Nach diesem Muster funktioniert die Energiesparpyramide. Sie bietet Hauseigentümern und Hauseigentümerinnen, die ihren Altbau in Richtung Klimaneutralität modernisieren wollen, einen schlüssigen und leicht verständlichen Wegweiser.

Das Symbol der Pyramide steht für Ganzheitlichkeit, Solidität und Zeitlosigkeit, die elf Pyramidenbausteine sind ein Sinnbild für Einfachheit, Systematik und Prioritäten.

Gerade letztere Eigenschaften sind wertvoll angesichts der grenzenlosen Flut an Informationen, mit denen uns das Internet überschwemmt, und was Entscheidungen über Modernisierungsmaßnahmen eher erschwert als erleichtert.

Die Philosophie

Der Grundsatz der Energiesparpyramide lautet: Energieeffizienz ist gut, Energieeinsparung ist besser. Energieeinsparung geht vor Energieeffizienz, weil nicht benötigte Energie auch keine Treibhausgase verursacht.

Nachträgliche Wärmedämmung reduziert den Energieverbrauch von Altbauten am stärksten und bildet deshalb die Basis der Energiesparpyramide. Durch besseren Wärmeschutz die Ursachen für übermäßiges Heizen zu kurieren ist vernünftiger als mit effizienter Heiztechnik an den Symptomen herumzudoktern.

Diese klare Strategie spart am Ende am meisten CO2, insbesondere wenn für die Wärmedämmung Dämmstoffe auf der Basis von Holz zum Einsatz kommen. Das in Holzdämmstoffen gebundene CO2 wird so langfristig gespeichert und der Atmosphäre zusätzlich ein wenig Treibhausgas entzogen.

Weitere Argumente für den Vorrang des Dämmens liefern der Kostenaspekt und die Langlebigkeit: Eingesparte Energie verursacht nach einer einmaligen Investition keine Folgekosten und Wärmedämmung hält jahrzehntelang.

Energiesparen bedeutet hier auch keinen Verzicht, sondern genau das Gegenteil: einen Gewinn an Wohnkomfort. In schlecht gedämmten Altbauten ist es im Winter kühl und ungemütlich, in gut gedämmten dagegen warm und behaglich.

Die Pyramidenstruktur

Eine rundum gut gedämmte Gebäudehülle ist die Basis der Energiesparpyramide. Darauf baut CO2-arme Wärmetechnik auf, am besten durch eine Wärmepumpe, sowie die CO2-freie Wärmeerzeugung mit einer thermischen Solaranlage. Ein „Anti-Rebound-Effekt-Baustein“, der die achtsame Energienutzung nach Einsparmaßnahmen betont, schließt den Bausteinblock Wärmetechnik ab.

Die Energiesparpyramide räumt dem Einsparen von Wärme Vorrang vor dem Stromsparen im Haushalt ein. Das hat seinen Grund. Bei unsanierten Altbauten werden als Faustregel 80 bis 90 Prozent des gesamten Energieverbrauchs für Heizung und Warmwasser aufgewendet. Und auch nach einer energetischen Vollmodernisierung ist der Energieverbrauch für Wärme meistens immer noch höher als der Haushaltsstromverbrauch.

Hinzu kommt, dass Strom aus dem Netz zunehmend aus erneuerbaren Energiequellen stammt und Stromeinsparungen eine geringere CO2-Reduktion bewirken als eingesparte Wärmeenergie aus der Öl- oder Gasverbrennung. Deshalb ist die CO2-freie Stromerzeugung durch eine Fotovoltaikanlage nur das Sahnehäubchen auf der Spitze der Energiesparpyramide.

Universelles Leitbild, kein Einzelfallkonzept

Die Energiesparpyramide verkörpert ein universelles Leitbild für jede klimagerechte Altbaumodernisierung. Sie hat aber auch ihre Grenzen. Fast jeder Altbau weist bauliche Besonderheiten auf – wie etwa erhaltenswerten historischen Fassadenschmuck. Viele Altbauten wurden in Vergangenheit energetisch teilmodernisiert, die Energiestandards von damals sind heute aber meist unzureichend. Und mit einer Modernisierung will man stets auch die Wohnqualität des Hauses verbessern.

Solche Aspekte mit zeitgemäßer Energieeinsparung und CO2-Reduktion in Einklang zu bringen, verlangt Fachkenntnisse. Wer ein älteres Haus klimagerecht modernisieren will, sollte deshalb die vom Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle mit 80 Prozent der Kosten geförderte „Energieberatung für Wohngebäude“ oder eine qualitativ vergleichbare Fachberatung in Anspruch nehmen. Dabei erstellt ein zertifizierter Gebäudeenergieberater ein individuelles Modernisierungskonzept. Das Leitbild der Energiesparpyramide kann dabei der rote Faden sein.

Wann wird Energiesparen als „Energiequelle“ wiederentdeckt?

Der Ausbau der erneuerbaren Energien in Deutschland stößt seit einiger Zeit an seine Grenzen, weil es in unserem dichtbesiedelten Land immer weniger geeignete Flächen dafür gibt. Besonders häufig treten Konflikte mit dem Natur- und Landschaftschutz auf. Das zeigt sich insbesondere bei der Windkraft, deren Ausbau seit Jahren bundesweit stockt. Selbst geplante Freiland-Fotovoltaikanlagen stoßen mancherorts bei Anrainern auf Widerstand.

Die früher lange propagierte und heute aus der Mode gekommene „Energiequelle“ Energiesparen könnte zumindest teilweise den Ausbau der erneuerbaren Energien kompensieren.

Bei der energetischen Altbaumodernisierung springt einem die Energiequelle Energiesparen förmlich ins Auge.

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„Alles Gescheite ist schon gedacht worden, man muss nur versuchen es noch einmal zu denken.“ (Johann Wolfgang von Goethe)

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