Die Energiesparpyramide: Ein Wegweiser zum klimaneutralen Haus.

Verbrennungsmotoren und Klimaneutralität passen nicht zusammen. Im Individualverkehr bahnt sich deshalb der Abschied vom klimaschädlichen Auto mit Benzin- oder Dieselmotor an. Die Zukunft gehört dem Elektroauto.

Das E-Auto fährt klimaneutral, wenn der Antriebsstrom zu 100 Prozent ohne CO2-Emissionen erzeugt wird. Diese Anforderung erfüllt Ökostrom aus erneuerbaren Energiequellen. 2020 betrug in Deutschland der Ökostromanteil am Bruttostromverbrauch immerhin schon rund 46 Prozent. Bis 2030 sollen mindestens 65 Prozent aus erneuerbaren Energiequellen stammen und spätestens 2045 sollen es 100 Prozent sein.

Auch im Gebäudebereich ist auf dem Weg zur Klimaneutralität ein allmählicher Ausstieg aus der Nutzung der fossilen Energieträger Heizöl und Erdgas notwendig. Einen ersten Schritt dazu markieren die von der Bundesregierung 2019 beschlossenen Einschränkungen für Ölheizungen ab 2026.

Die CO2-freie Heizung der Zukunft

Der Favorit für die klimaneutrale Hausheizung der Zukunft ist die Wärmepumpe. Die Wärmepumpentechnik ist seit Jahrzehnten im Einsatz und somit technisch ausgereift. Genauso wie beim E-Auto wird ein Elektrohaus weitgehend klimaneutral, wenn der im Haus benötigte Strom für Heizung, Warmwasser und Elektrogeräte ohne Treibhausgase erzeugt wird.

Das Heizen mit Wärmepumpentechnik hat allerdings einen Haken: Wärmepumpen sind nur in energieeffizienten Gebäuden wirtschaftlich. Denn Netzstrom für eine Wärmepumpenheizung kostet seit Jahrzehnten pro Kilowattstunde drei bis vier Mal mehr als bei Heizöl und Erdgas. Das dürfte sich in Zukunft höchstwahrscheinlich kaum ändern.

Die Mehrzahl der Altbauten sind mehr oder weniger große Energieschlucker mit entsprechenden Heizkosten. Jeder heute mit relativ viel Öl oder Gas beheizte Altbau lässt sich aber an den Einbau einer Wärmepumpe anpassen.

Der Schlüssel dafür ist eine „Energiediät“ in Form einer energetischen Modernisierung. Um Heizen und Warmwasser mit Strom effizient und bezahlbar zu machen, wird der dafür notwendige Wärmebedarf am besten um den Faktor 4 bis 5 gesenkt.

Grundsätzlich ist ein sehr geringer Wärmebedarf auch die beste Voraussetzung, um zukünftige Innovationen wie zum Beispiel CO2-frei erzeugten „grünen Wasserstoff“ für eine Brennstoffzellenheizung zu nutzen. Denn kostengünstiger als Ökostrom werden solche Energieinnovationen wohl kaum ausfallen.

Ob Wärmepumpe oder innovative CO2-freie Heiztechniken: Eine universelle Strategie für das klimaneutrale Haus der Zukunft liefert die Energiesparpyramide.

Die Grundidee

Wer sich gesund und ausgewogen ernähren will, dem liefert die Lebensmittelpyramide der Deutschen Gesellschaft für Ernährung einen einfachen Wegweiser. Nach diesem Vorbild funktioniert die Energiesparpyramide. Sie bietet Hauseigentümern, die ihren Altbau in Richtung Klimaneutralität modernisieren wollen, einen schlüssigen und leicht verständlichen Wegweiser.

Das Symbol der Pyramide steht für Ganzheitlichkeit, Solidität und Zeitlosigkeit, die elf Pyramidenbausteine sind ein Sinnbild für Einfachheit, Systematik und Prioritäten.

Die Philosophie

Der Grundsatz der Energiesparpyramide lautet: Energieeffizienz ist gut, Energieeinsparung ist besser. Energieeinsparung geht vor Energieeffizienz, weil nicht benötigte Energie auch keine Treibhausgase verursacht.

Nachträgliche Wärmedämmung reduziert den Energieverbrauch von Altbauten am stärksten und bildet deshalb die Basis der Energiesparpyramide. Durch besseren Wärmeschutz die Ursachen für übermäßiges Heizen zu kurieren ist vernünftiger als mit effizienter Heiztechnik an den Symptomen herumzudoktern.

Diese klare Strategie spart am Ende am meisten CO2, insbesondere wenn für die Wärmedämmung Dämmstoffe auf der Basis von Holz zum Einsatz kommen. Das in Holzdämmstoffen gebundene CO2 wird so langfristig gespeichert und der Atmosphäre zusätzlich ein wenig Treibhausgas entzogen.

Weitere Argumente für den Vorrang des Dämmens liefern der Kostenaspekt und die Langlebigkeit: Eingesparte Energie verursacht nach einer einmaligen Investition keine Folgekosten und Wärmedämmung hält jahrzehntelang.

Energiesparen bedeutet hier auch keinen Verzicht, sondern genau das Gegenteil: einen Gewinn an Wohnkomfort. In schlecht gedämmten Altbauten ist es im Winter kühl und ungemütlich, in gut gedämmten dagegen warm und behaglich.

Die Pyramidenstruktur

Eine rundum gut gedämmte Gebäudehülle ist die Basis der Energiesparpyramide. Darauf baut CO2-arme Wärmetechnik auf, am besten durch eine Wärmepumpe, sowie die CO2-freie Wärmeerzeugung mit einer thermischen Solaranlage. Ein „Anti-Rebound-Effekt-Baustein“, der die achtsame Energienutzung nach Einsparmaßnahmen behandelt, schließt den Bausteinblock Wärmetechnik ab.

Die Energiesparpyramide räumt dem Einsparen von Wärme, die in Deutschland in vier von fünf Häusern mit Gas oder Öl erzeugt wird, Vorrang vor dem Stromsparen im Haushalt ein. Das hat seinen Grund. Bei unsanierten Altbauten werden als Faustregel 80 bis 90 Prozent des gesamten Energieverbrauchs für Heizung und Warmwasser aufgewendet. Und auch nach einer energetischen Vollmodernisierung ist der Energieverbrauch für Wärme meistens immer noch höher als der Haushaltsstromverbrauch.

Hinzu kommt, dass Strom aus dem Netz zunehmend aus erneuerbaren Energiequellen stammt und Stromeinsparungen eine geringere CO2-Reduktion bewirken als eingesparte Wärmeenergie aus der Öl- oder Gasverbrennung. Deshalb ist die CO2-freie Stromerzeugung durch eine Fotovoltaikanlage nur das Sahnehäubchen auf der Spitze der Energiesparpyramide.

Universelles Leitbild, kein Einzelfallkonzept

Die Energiesparpyramide verkörpert ein universelles Leitbild für jede klimagerechte Altbaumodernisierung. Sie hat aber auch ihre Grenzen. Jeder Altbau weist bauliche Besonderheiten auf – wie etwa erhaltenswerten historischen Fassadenschmuck. Und mit einer Modernisierung will man stets auch die Wohnqualität verbessern.

Diese Aspekte mit Energieeinsparung und CO2-Reduktion in Einklang zu bringen, verlangt Fachkenntnisse. Wer ein älteres Haus klimagerecht modernisieren will, sollte deshalb die vom Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle mit 80 Prozent der Kosten geförderte „Energieberatung für Wohngebäude“ oder eine qualitativ vergleichbare Fachberatung in Anspruch nehmen. Dabei erstellt ein zertifizierter Gebäudeenergieberater ein individuelles Modernisierungskonzept. Das Leitbild der Energiesparpyramide sollte dabei der rote Faden sein.

Wann wird Energiesparen als „Energiequelle“ wiederentdeckt?

Der weitere Ausbau der erneuerbaren Energien in Deutschland stößt zunehmend an seine Grenzen, weil es in unserem dichtbesiedelten Land immer weniger geeignete Flächen dafür gibt. Das zeigt sich insbesondere bei der Windkraft, deren Ausbau seit bundesweit wegen Anwohnerprotesten stockt.

Die früher lange propagierte und heute aus der Mode gekommene „Energiequelle“ Energiesparen könnte teilweise ein Ersatz für den Ausbau der erneuerbaren Energien sein. Bei der klimagerechten energetischen Altbaumodernisierung springt sie einem förmlich ins Auge.

„Alles Gescheite ist schon gedacht worden, man muss nur versuchen es noch einmal zu denken.“ (Johann Wolfgang von Goethe)

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