Der schlafende CO2-Riese

Altbauten klimagerecht modernisieren.

In Sachen Erderwärmung läuten fast überall auf der Welt die Alarmglocken – mit Folgen im internationalen Klimaschutz. Derzeit planen rund 140 Staaten, die Nutzung fossiler Energien in wenigen Jahrzehnten zu beenden. Ziel aller dieser Länder ist es, klimaneutral zu werden.

In Deutschland soll schon in 23 Jahren Schluss sein mit der Verbrennung von Kohle, Öl und Gas. Unser Land soll bis zum Jahr 2045 klimaneutral werden, so steht es im Klimaschutzgesetz.

Dieses ambitionierte Ziel beruht auf einem Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom Frühjahr 2021. Nach Auffassung der Verfassungsrichter bedroht der fortschreitende Klimawandel in Zukunft besonders die Freiheiten der heute jüngeren Generation. Deshalb sei Eile geboten, den Klimawandel zu bremsen.

Klimaneutralität – langfristiges Ziel für jedes Haus

Das Klimaschutzgesetz von 2021 ist das wichtigste Instrument der deutschen Klimapolitik. Es enthält auch hohe Anforderungen für Hauseigentümer und Hauseigentümerinnen.

Auf sie wartet eine Herkulesaufgabe: Sie sollen ihre Immobilie bis spätestens 2045 derart umrüsten, dass beim Heizen keine Treibhausgase mehr entstehen. Ziel ist ein klimaneutrales Haus.

Dafür sind keine visionären Innovationen erforderlich. Zum Umsetzung der Klimaneutralität gibt es heutzutage spezielle Bau- und Energietechniken, die fast alle langjährig erprobt sind. Rein technisch also eine lösbare Aufgabe.

Allerdings soll nicht verschwiegen werden: Für den klimaneutralen Umbau eines Hauses ist meistens eine Menge Geld erforderlich.

Der Klimafußabdruck des Gebäudebestands

Vier von fünf Häusern in Deutschland werden mit Öl oder Gas beheizt. Die Heizkessel dieser Häuser haben – überspitzt ausgedrückt – einen doppelten Heizeffekt: Sie erwärmen außer dem Gebäude infolge ihres CO2-Ausstoßes auch die Erdatmosphäre.

Das Beheizen, Kühlen und die Warmwasserbereitung von Gebäuden verursacht laut dem Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft rund 18 Prozent der gesamten CO2-Emissionen in Deutschland. Ein Großteil dieser Treibhausgase stammt aus energetisch überholten Altbauten, deren Heizenergieverbrauch überdurchschnittlich hoch ist.

Wegen der meist schlechten Wärmedämmung der Gebäudehülle und den vielen ineffizienten Heizkesseln in den Kellern bezeichnen Fachleute den Altbaubestand auch als „schlafenden Riesen“ in Sachen Heizenergie- und CO2-Einsparung.

Das Heizenergie-, und damit identisch das CO2-Einsparpotenzial liegt in den meisten Altbauten bei mindestens 50 Prozent, oft sogar noch darüber. Altbauten energetisch zu modernisieren ist deshalb ein Schwerpunkt für wirksamen Klimaschutz.

Der CO2-Preis verteuert fossile Heizbrennstoffe 

Als zentralen Bestandteil des Klimaschutzgesetzes gibt es seit 2021 die sogenannte CO2-Bepreisung für Heizöl und Erdgas. 2021 lag der CO2-Preis bei 25 Euro pro Tonne, in diesem Jahr sind es 30 Euro. Allein dadurch verteuert sich Heizöl derzeit um 9,57 Cent pro Liter und Erdgas um 0,65 Cent pro Kilowattstunde.

Bis 2025 steigt die CO2-Abgabe jedes Jahr stufenweise bis auf 55 Euro pro Tonne. In der öffentlichen Debatte über verschärfte Klimaschutzmaßnahmen fordern aber bereits heute viele, darunter das Umweltbundesamt, einen höheren CO2-Preis. Es könnte deshalb sein, dass sich die CO2-Abgabe noch vor 2025 erhöht und auch danach sind weitere Preissteigerungen möglich.

Altbaubewohner*innen mit einem hohen Heizenergieverbrauch werden die CO2-Bepreisung bei den Heizkosten in den nächsten Jahren immer stärker spüren. Es sei denn, der Verbrauch von Heizöl oder Erdgas wird rechtzeitig durch energetische Modernisierungsmaßnahmen gesenkt.

„Klimaneutral-Ready“ modernisieren

Klimagerechtes Modernisieren erfordert bei jedem Altbau ein ganz bestimmtes Sortiment von Maßnahmen, die entweder in Etappen oder in einem Rutsch umgesetzt werden.

Für jede Modernisierung gibt es aber drei allgemeingültige Empfehlungen: Den Wärmeschutz der Gebäudehülle auf ein möglichst hohes Niveau zu bringen, auf eine perspektivisch klimaneutrale Wärmepumpenheizung umzusteigen, sowie Sonnenenergie aktiv und passiv zu nutzen.

Ein leicht verständlicher Wegweiser, der aufzeigt, wie jedes ältere Haus derzeit „klimaneutral-ready“ und später einmal klimaneutral werden kann, ist unsere Energiesparpyramide.

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