Der schlafende CO2-Riese

Gebäudedekarbonisierung als neues Leitbild.

Vier von fünf Häusern in Deutschland werden mit Öl oder Gas beheizt. Die Heizkessel dieser Häuser haben salopp formuliert einen doppelten Heizeffekt: Sie erwärmen außer dem Gebäude infolge ihres CO2-Ausstoßes auch die Erdatmosphäre.

Das Beheizen, Kühlen und die Warmwasserbereitung von Gebäuden verursacht laut dem Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft rund 18 Prozent der gesamten CO2-Emissionen in Deutschland. Ein Großteil dieser Treibhausgase stammt aus energetisch unmodernisierte Altbauten, weil deren Heizenergieverbrauch überdurchschnittlich hoch ist.

Wegen der meist schlechten Wärmedämmung der Gebäudehülle und den vielen ineffizienten Heizkesseln in den Kellern bezeichnen Fachleute den Altbaubestand auch als „schlafenden Riesen“ in Sachen Energie- und CO2-Einsparung.

Das Einsparpotenzial liegt in energetisch unsanierten Altbauten bei mindestens 50 Prozent, meistens sogar weit darüber. Altbauten sind deshalb ein Schwerpunkt für wirksame Klimaschutzmaßnahmen.

Der CO2-Preis verteuert fossile Heizbrennstoffe 

Seit Anfang 2021 gibt es in Deutschland eine sogenannte CO2-Bepreisung für fossile Heizbrennstoffe, die sich jährlich bis 2025 erhöht. In diesem Jahr liegt der CO2-Preis bei 25 Euro pro Tonne. Konkret hat sich dadurch Heizöl um 7,9 Cent pro Liter und Erdgas um 0,6 Cent pro Kilowattstunde verteuert.

Bis 2025 steigt die CO2-Abgabe nach den derzeitigen gesetzlichen Bestimmungen auf 55 Euro pro Tonne. In der öffentlichen Debatte gibt es seit einiger Zeit aber auch Stimmen – zum Beispiel vom Umweltbundesamt – die einen höheren CO2-Preis fordern.

Altbaubewohner*innen mit einem hohen Heizenergieverbrauch werden die CO2-Bepreisung bei den Heizkosten in den nächsten Jahren immer stärker spüren. Es sei denn, der Verbrauch von Heizöl oder Erdgas wird rechtzeitig durch energetische Modernisierungsmaßnahmen  gesenkt.

„Klimaneutral-Ready“ modernisieren

Das 2021 beschlossene Klimaschutzgesetz der Bundesregierung hat das Langfristziel, Deutschland bis zum Jahr 2045 klimaneutral zu machen. Dazu müsste in den nächsten zweieinhalb Jahrzehnten überall dort, wo heute Kohle, Öl und Gas verbrannt werden, ein allmählicher Umstieg auf CO2-freie Energieträger stattfinden.

Im Gebäudesektor ist das schon heute weitestgehend möglich. Für die Gebäudedekarbonisierung gibt es ein ganzes Sortiment erprobter und bezahlbarer Bau- und Heiztechnologien, mit denen jedes Haus heutzutage CO2-arm und in Zukunft auf der Basis von 100 Prozent „Grünstrom“ CO2-frei wird.

Ein Leitbild für die Gebäudedekarbonisierung, mit dem selbst jeder Altbau durch eine energetische Modernisierung „klimaneutral-ready“ werden kann, zeigt unsere Energiesparpyramide.